Vernetzung und soziale Interaktion

Digitale Vernetzung kann dazu beitragen, eine lebendige Nachbarschaft zu fördern. Ortsbezogene Internetplattformen können helfen, Informationen zu verbreiten, Bekanntschaften zu knüpfen oder auf Veranstaltungen und Angebote hinzuweisen. Lokale Angebote können auch dazu beitragen, die Verbundenheit mit dem Sozialraum zu stärken. Neben ortsbezogenen Seiten in allgemein sozialen Medien wie Facebook oder Instagram sind dabei vor allem Nachbarschaftsportale von Bedeutung. In der Quartiersarbeit können dabei zum einen vorhandene kommerzielle Plattformen genutzt werden. Daneben können Quartiersakteur*innen aber auch eigene Plattformen aufbauen und betreiben oder im Auftrag betreiben lassen.

Bereiche in denen digitale Werkzeuge in diesem Handlungsfeld genutzt werden können, können sein: Nachbarschaftsplattformen, (datenschutzkonforme) soziale Medien / Netzwerke.

Beispiele im Bereich Nachbarschaftsplattformen


Crossiety 

Die Kommunikationsplattform Crossiety intensiviert das lokale Miteinander und soziale Engagement in einer Kommune oder einem Ortsteil. Alle Bereiche des realen Lebens erzielen über Crossiety eine Sichtbarkeit, jede*r Bürger*in kann zum Redakteur für private, ehrenamtliche oder gewerbliche Interessen werden und jede*r kann sich mit jedem vernetzen oder austauschen. Die Nutzung erfolgt webbasiert oder als mobile Applikation und wird mit einer durchgängigen gegebenen Projektbegleitung durch das Community Management unterstützt. Diese checkt die Qualität der auf dem Dorfplatz eingestellten Beiträge, beantwortet gegebene Userfragen und forciert das Community Building aktiv.

Ziele und Einsatzbereich

Ziel ist die Förderung der sozialen Interaktion im Quartier, in der Nachbarschaft und in der Region in Form eines digitalen Dorfplatzes für die Nachbarschaft. Auf der interaktiven Plattform können sich Einwohner*innen mit Hilfe verschiedener Funktionen informieren, miteinander vernetzen und kommunizieren und sich engagieren. Um das Vertrauen in die Plattform zu erhöhen, ist eine anonyme Nutzung nicht möglich. Für die volle Nutzung der Plattform ist eine Registrierung über den vollen Namen und eine SMS-Verifizierung notwendig.

Alle Bürger*innen, kommunale Einrichtungen wie das Rathaus, Kitas, Schulen, Institutionen wie die Kirchen, alle Vereine und Interessengemeinschaften , und Gewerbe wie der Einzelhandel oder Dienstleister können die drei Kommunikationsebenen Dorfplatz (ergänzend Helfen und Marktplatz), Gruppenkommunikation oder den CrossChat (gezielter Austausch mit angemeldeten Einzelpersonen) kostenlos nutzen. Die gegebene Funktionsvielfalt in Form von Beitragstypen (Event, Neuigkeit, Umfragen, Diskussionen, Helferlisten, Terminabstimmung), Gruppen- und Untergruppenerstellung, ein Rechte- und Rollenmanagement ermöglicht, dass Gemeinschaften die komplette Kommunikation in einer Lösung abwickeln können. Daten können in digitale Schaufenster, auf Internetseiten oder durch den automatischen Export von Terminen in persönliche Kalender übernommen werden. Die Funktionen bieten perfekte Voraussetzungen für Bürger- oder Mitgliederbeteiligungen oder Nachbarschaftshilfe.

Geschäftsmodell: für Bürger*innen und institutionelle Nutzer*innen kostenlos. Finanzierung durch die Kommune (oder einen anderen institutionellen Akteur des Gemeinwesens) über eine nach Größe gestaffelte jährliche Nutzungsgebühr (beinhaltet Support, Hosting, Community Management und konsequente Weiterentwicklung der Lösung). Ganz nach Wunsch können Infoveranstaltungen oder Werbemittel im Rolloutprozess dazu gebucht werden.

Besonderheiten

Mit Crossiety können Dokumente und Bilder verschickt werden, so dass für einen themenbezogenen Austausch alle Projektschritte für alle Verantwortlichen zu jedem Zeitpunkt im Zugriff sind. Über die Regionseinstellung kann die gewünschte Reichweite (alle Kommunen im Umkreis von 20 km) aktiviert werden.

Datenschutzaspekte

Die Plattform wird durch die Crossiety AG betrieben und entspricht den Regelungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Personenbezogene Daten werden nicht für Werbung oder interessenbasierte Datenauswertung verwendet. Datenschutz-Vertreter*in für Crossiety in der EU ist die Agentur gotoMedia, 33129 Delbrück.

Referenzen / Beispiele für die Nutzung

In der Schweiz und Deutschland gibt es (Stand 09/21) über 100 realisierte Dorfplätze, in Baden-Württemberg nutzen neun Kommunen Crossiety, u.a. die Stadt St. Georgen im Schwarzwald (siehe z.B. Vortrag auf dem Digitaltag 2020)

Kontakt

Website: https://www.crossiety.de/
Betreiber und Entwickler: Crossiety AG, Schweiz, 8045 Zürich, Räffelstraße 24
E-Mail: hallo@crossiety.de

Abb. 1 Startseite der Website Crossiety. (Bildschirmkopie, Crossiety, 2021).


Digitale Dörfer 

Die Plattform „Digitale Dörfer“ wurde zur Unterstützung der Digitalisierung im ländlichen Raum entwickelt. Entstanden aus einem Forschungsprojekt in Rheinland-Pfalz steht die Plattform inzwischen bundesweit zur Verfügung. Die Plattform bietet verschiedene Lösungen an, welche Bürgerinnen und Bürger vernetzen, Gemeinschaft fördern und lokale Versorgung unterstützen sollen.

Ziele und Einsatzbereich

Die Plattform bietet verschiedene Lösungen an, von denen die Bausteine „DorfFunk“ und „DorfNews“ das Themenfeld Vernetzung und soziale Interaktion adressieren. DorfFunk bietet die Möglichkeit der Kommunikation zwischen Bürgern (Nachrichten, Suche/Biete, Gruppenfunktion) und dient als Zugangspunkt zu anderen Lösungen der Plattform digitale Dörfer.
Geschäftsmodell: für Bürger und institutionelle Nutzer kostenlos. Finanzierung durch die Kommune (oder einen anderen institutionellen Akteur des Gemeinwesens) nach einem einheitlichen Kostenmodell. In einigen Bundesländern gibt es landesweite Lizenzen für die Nutzung der Plattform.

Besonderheiten

Auch wenn die Plattform speziell für Anforderungen im ländlichen Raum konzipiert wurde, kann sie auch in städtischen Quartieren genutzt werden. Die Plattform wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt und evaluiert.

Datenschutzaspekte

Die Dienste der Plattform werden entsprechend der Regelungen der DSGVO betrieben. Die Plattform finanziert sich nicht über Werbung oder sonstiger Verwertung von Nutzerdaten. Die vollständigen Datenschutzinformationen finden sich auf der Projektwebsite.

Referenzen / Beispiele für Nutzung
Kontakt

Website: https://www.digitale-doerfer.de/digitales-dorf-werden/
Betreiber und Entwickler: Fraunhofer IESE, Kaiserslautern
E-Mail: michelle.scherhag@iese.fraunhofer.de

Screenshot Digitale Doerfer
Startseite des Projekts Digitale Dörfer

SoNaTe 

SoNate bietet in Form einer Onlineplattform einen digitalen Raum für die Stadt- und Sozialraumentwicklung. Durch die Plattform soll eine Grundversorgung an sozialem Netzwerk geschaffen werden. Diese soll allen zugänglich, sicher und ohne gewerbliche Nutzung der Daten sein. Seit März 2021 ist die Plattform auch als App verfügbar.

Ziele und Einsatzbereich

SoNaTe möchte vorhandene Infrastrukturen ausbauen, neue Wege bieten Mitmenschen digital anzutreffen und als sichere Kommunikations- und Organisationsplattform für Vereine und Organisationen dienen. Dafür können Grundfunktionen genutzt werden, wie eine Umgebungskarte, Chats, Vernetzung in Gruppen, die Suche nach Inhalten mit einem direkten lokalen Bezug sowie Foren, Kalender und eine Biete-Suche-Börse.

Besonderheiten

Eine Nutzung von SoNaTe ist auch ohne Registrierung möglich, allerding ist die Nutzung dann mit Einschränkungen verbunden.

Datenschutzaspekte

Die Chatkommunikation verläuft Ende-zu-Ende verschlüsselt. Gespeicherte Daten werden nicht kommerziell ausgewertet, an Dritte weitergegeben oder verkauft. Nach Entwicklung der Plattform wird diese als Genossenschaft betrieben. Alle Daten und Aktionen unterliegen dem deutschen und europäischen Datenschutzrecht.

Referenzen / Beispiele für die Nutzung

Freiburg im Breisgau, siehe FreiburgHältZusammen
Gemeinde Horben im Breisgau

Kontakt

Website https://sonate.jetzt/start
Weitere Infos https://blog.sonate.jetzt/
Betreiber AGP Sozialforschung im FIVE Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg e.V., Bugginger Straße 38, 79114 Freiburg
Entwickler AGP Sozialforschung im FIVE e.V., Freiburg; ITstrategen GmbH, Karlsruhe; SPES Zukunftsmodelle e.V., Freiburg; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg: Institut für Mikrosystemtechnik, Lehrstuhl Elektrische Mess- und Prüfverfahren (IMTEK), Institut für Rechnernetze und Telematik (IFF-CoNe), Institut für Psychologie, Abteilung für Kognitionswissenschaft, Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEE); Telocate GmbH, Freiburg
E-Mail sonate@agp-freiburg.de, info@sonate.jetzt
Telefon +49 (0)761 47812-696

Abb. 2 Startseite der Website SoNaTe. (Bildschirmkopie, SoNaTe, 2021).

Nebenan 

Nebenan.de ist eine kommerziell betriebene Nachbarschaftsplattform und kann sowohl als Website oder App genutzt werden. Im Netzwerk können Beiträge und persönliche Nachrichten verfasst werden, Gruppen gebildet werden oder der Kontakt zu weiteren Nachbarschaften aus der Umgebung gesucht werden. Außerdem werden lokale Veranstaltungen katalogisiert. Für Bürgerinnen und Bürger ist die Nutzung grundsätzlich kostenlos.

Ziele und Einsatzbereich

Durch die Plattform soll die Vernetzung und Kommunikation innerhalb der Nachbarschaft gefördert werden. Neben Privatprofilen können auch Gewerbeprofile und Profile für soziale Organisationen erstellt werden.

Besonderheiten

Zugang zur Plattform erhalten nur verifizierte Nutzer*innen. Die Inhalte können von Drittanbietern nicht herausgelesen werden und sind von nicht eingeloggten Mitglieder*innen nicht einsehbar.
Das Geschäftsmodell von nebenan.de hat sich in den letzten Jahren mehrmals verändert, zur Zeit beruht auf verschiedenen Teilkomponenten, zu denen neben freiwilligen Förderbeiträgen und Werbung auch Kooperationen mit Kommunen oder Sozialunternehmen zählen, die dann einen Teil der Kosten übernehmen.

Datenschutzaspekte

nebenan.de wird von der Good Hood GmbH in Deutschland betrieben (einem Tochterunternehmen von Hubert Burda Media) und unterliegt den Regelungen der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Inzwischen ist Werbefinanzierung ein Teil des Geschäftsmodells von nebenan.de.

Referenzen / Beispiele für die Nutzung

deutschlandweit verfügbar. Kooperationen mit Kommunen und Unternehmen der Sozialwirtschaft, in Baden-Württemberg z.B. mit der Stiftung Liebenau.

Kontakt

Website https://nebenan.de/
Weitere Infos https://magazin.nebenan.de/
Entwickler Good Hood GmbH, Köpenicker Straße 154, 10997 Berlin
E-Mail kontakt@nebenan.de
Telefon 030 3465 5776 0

Abb. 3 Startseite der Website Nebenan. (Bildschirmkopie, Nebenan, 2021).


HumHub 

HumHub ist eine freie und flexible Software für soziale Netzwerke, die auf eigenen Servern gehosted werden kann. Es stehen Funktionen zur Verfügung wie Nutzerprofile, ein Dashboard, Gruppen, Notifikationen und weitere Module, die individuell zusammengestellt werden können.

Ziele und Einsatzbereich

Die Nutzung ist zum Beispiel für Privatpersonen, Vereine oder Unternehmen gedacht, die ein eigenes Social Network bzw. Social Intranet erstellen möchten. Dadurch soll die Kommunikation und das Arbeiten im Team einfacher und erfolgreicher gestaltet werden.

Besonderheiten

Die Software ist Open Source und kann über GitHub sowohl aktiv genutzt als auch mitgestaltet und verbessert werden. Außerdem steht den Nutzer*innen ein professioneller Service rund um HumHub zur Unterstützung zur Verfügung.

Datenschutzaspekte

Die Software läuft auf selbst-gehosteten Servern und ist damit in der vollen Kontrolle des Nutzers.

Referenzen / Beispiele für die Nutzung

HumHub-Server werden z.B. von verschiedenen Landesarbeitsgemeinschaften der Mehrgenerationenhäuser genutzt.

Abb. 4 Startseite der Website HumHub. (Bildschirmkopie, HumHub, 2021).